In den letzten Tagen habe ich mir viele Gedanken über erlebtes und gehörtes der letzten Wochen gemacht.

Insbesondere eine Aussage klingt in meinen Ohren nach. Diese hörte ich auf einer der letzten Kreisvorstandssitzungen des Enzkreis von einem Genossen, welcher selbst Vorsitzender eines Ortsvereins ist. Sinngemäß aus dem Gedächtnis wiedergegeben:

"In unserem Ortsverein sind wir uns einig, dass alle vorhandene finanziellen Mittel in den Wahlkampf fliessen. [...] Dies ist die einzige Aufgabe der Partei"

Ich kann es sogar verstehen, dass der Genosse, welcher sich im Kontext einer Diskussion über die Wahlkampf-Umlagen äusserte, es sicherlich nicht in der Absolutheit gemeint hat, wie sie auf mich in dieser Aussage mitschwingt. Aber ich will für den Moment mal diese Aussage einfach so direkt und wörtlich nehmen, wie sie auf mich damals gewirkt hat. Was bedeutet dies nun für uns Mitglieder an der Basis? Zu erstmal: Pause. Denn wenn wir von Legislaturperioden von 4 oder 5 Jahren sprechen, ein Jahr Wahlkampfzeit annehmen, dann ist 3/4 der Zeit nichts zu tun... Es ist ja kein Wahlkampf, und andere Aufgaben haben wir im Ortsverein ja nicht...

...oder doch?

Ich glaube ja.

Nein, ich bin mir sogar sicher, dass es ganz wesentliche weitere Aufgaben gibt.

Zum Beispiel...

... Anlaufstelle zu sein. Anlaufstelle für Bürger, für Wähler, für die eigenen Mitglieder. Einfach mal schnell die eine Frage beantworten, oder vielleicht um Geduld bitten, weil man erstmal recherchieren muss, vielleicht beim Gemeinderat nachfragen, oder bei der oder dem Abgeordneten. Vielleicht aber auch einfach die bekannten Verbindungen Nutzen, um Hilfe für konkrete Probleme zu organisieren. Kontakte herstellem, weil der ein oder andere sich vielleicht nicht traut direkt den Kontakt zu unserer bzw. unserem Abgeordneten zu suchen.

... den Kontakt halten, zum Leben, zur Realität mit ihren Problemen und Herausforderungen für die Menschen, für die Unternehmen. Die eigenen Mandatsträger immer wieder auf diese Lebensrealtität hinweisen, mit der Nase darauf stossen und dafür sorgen, daß eben diese Realität, die die Menschen täglich erleben, nicht in Vergessenheit gerät, nicht als weit weg der eigenen Wahrnehmung empfunden wird.

... Miteinander erlebbar machen. Gemeinsam sein, in der Partei, aber eben auch daheim, in unserem Ort, unserer Stadt unserer Umgebung. Theater, Film, Debatten und Diskussionen zu den Menschen tragen, Angebote geben um jedem einzelnen Gehör und Mitsprache zu geben. Eben Teil des gesellschaftlichen Alltags sein, und sei es nur ein Grillfest. Wichtiger denn je, ist doch, dass wir es wieder schaffen einander zu "ertragen", besser noch einander zu verstehen.

... Wahlkampf führen. Ja auch dies ist eine Aufgabe. In unserer Zeit aber vielleicht die unwichtigste. Bin ich da, jeden Tag, muss ich dann noch Wahlkampf mit Plakaten führen? Sollten wir nicht direkt mit den betroffenen Menschen in Kontakt treten? Im direkten Gespräch, von Angesicht zu Angesicht, durch die modernen Medien, durch Veranstaltungsangebote.

Wenn wir uns nicht auf ideologisch geprägte Marketingphrasen zurückziehen, wenn wir im direkten Gespräch mit den durch unsere Politik betroffenen Personen und Gemeinschaften deren Realitäten, Belastungen und Probleme anerkennen und aus deren Rückmeldungen, Gefühlen und Gedanken adequate politische Konsequenzen ziehen, dann sehe ich keine Notwendigkeit dafür, Plakate an Strassenlaternen zu hängen, welche oft solch inhaltslose Phrasen enthalten.

Aber was bedeutet dies nun eigentlich, bezogen auf die ursprüngliche Aussage?

Die finanziellen Mittel unseres Ortsvereins möchte ich nicht in Plakate stecken, nicht in Kugelschreiber, T-Shirts, etc.  Stattdessen träume ich davon, nach dieser Zeit der Einschränkungen wegen der Covid-19 Pandemie wieder eine Zeit zu erleben, in der wir gemeinschaftliches Erleben und offenen Austausch geniessen können.

Warum nicht bei einem Grillfest? Das wäre doch das nächste Level der Parteiarbeit!

 

Harald Wolff-Thobaben

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